Der Bürgerkrieg in den Jahren 1861 – 1865 führte zum großen Konjunkturaufschwung im Verkauf des Leinengarns. Der Grund hierfür war insbesondere, dass durch den Krieg die Einfuhr von Baumwolle aus Amerika auf die europäischen Märkte unmöglich wurde.
Damit hängen weiter die zweite große Welle der Gründungen neuer Spinnereien und die Erhöhung der Anzahl der Spindeln in den bestehenden Spinnereien zusammen. Zu den Neugründungen aus dieser Zeit gehört z. B. die Spinnerei von Georg und Wenzel Walzer, welche sie an ihre Bleiche in Parschnitz bei Trautenau anbauten.
Ebenso wollten Etrich und Kluge die Anzahl der Spindeln in ihrer Spinnerei erhöhen. An die bestehende Spinnerei wollten sie einen weiteren Flügel anbauen, aufgrund des Widerstands der Eigentümer der Anliegergrundstücke war dies jedoch nicht möglich. Beide Eigentümer beschlossen daher, dass sie eine komplett neue Spinnerei errichten. Die geeigneten Flächen fanden sie oberhalb des Flusslaufes der Oppa, ca. drei Kilometer von der bestehenden Spinnerei entfernt. Hier erwarben sie ein Gemeindegrundstück mit den dazugehörenden Wasserrechten.
Der Bau der gesamten Anlage, die nach den Erkenntnissen von Ignaz Etrich, die er während seines Arbeitsaufenthaltes in den modernsten englischen Spinnereien gewann, wurde bereits im gleichen Jahr begonnen und im Jahr 1864 fertiggestellt. In die neue Spinnerei wurde die Hälfte der Maschinen aus der alten Spinnerei überführt.
Die neue weiträumige Spinnerei war mit folgenden Maschinen ausgerüstet: 35 Maschinen zum Nachspinnen, 14 zum Vorspinnen, 23 zum Strecken, 4 zum Kämmen und 18 zum Aufwickeln. Die Energieversorgung dieser Spinnmaschinen war durchaus anspruchsvoll und die Wasserkraft allein genügte nicht. Deshalb wurde die Spinnerei neben zwei Wasserturbinen zusätzlich mit einer Hochdruck- und Niederdruckdampfmaschine mit zwei Dampfkesseln angetrieben. Dabei wurde im Jahre 4.000 Tonnen Steinkohle aus dem unweit gelegenen Schatzlauer Berwerk , 20 Festmeter Holz (ein Festmeter ca. 1,9 m) und 10 Tonnen Koks verheizt.
In der neuen Spinnerei waren 200 Männer, 250 Frauen sowie zahlreiche Kinder, deren genaue Anzahl leider nicht bekannt ist, beschäftigt. Die Löhne waren wie folgt:
• Männer verdienten zwischen 90 Kreuzern bis 1 Gulden und 20 Kreuzer
• Buben verdienten zwischen 35 bis 45 Kreuzern
• Frauen verdienten zwischen 35 bis 50 Kreuzern
Die angegebenen Löhne sind Tageslöhne und deren genaue Höhe war abhängig von der Tätigkeit und Stellung, welche die entsprechende Person ausübten. Jedenfalls handelte es sich um höhere Löhne, als es zu jener Zeit bei den Arbeitern in den Textilbetrieben üblich war. So zahlte z. B. der Unternehmer Johann Faltis in Jungbuch seinen Arbeitern nur 4 Gulden, Kinder und Frauen erhielten nur die Hälfte als Lohn.
Beide Spinnereien galten als gleichwertig. In jeder von ihnen waren zu dieser Zeit bereits 10.000 Spindeln im Einsatz.
Zu jener Zeit, als die neue Spinnerei ihren Betrieb aufnahm, wohnten in der Ober Altstadt bereits mehr als 2.000 Menschen.
Im Juni 1870 trennten sich die beiden Gesellschafter, und zwar auf eine ziemlich ungewöhnliche Art und Weise. Über die Aufteilung der Spinnereien sollte nämlich das Los entscheiden. Die neue mechanische Spinnerei wurde als „gerade Zahl“ und die alte als „ungerade Zahl“ bezeichnet.
Zunächst mussten beide Gesellschafter auslosen, für wen die erste Zahl der Auslosung der Prager Lotterie gültig sein soll. Dieses Los gewann Franz Kluge. Dies bedeutete für ihn, dass er für den Fall, dass die erste Zahl „gerade“ sein sollte, er die neue Spinnerei bekommt und umgekehrt.
Die Auslosung zwischen den beiden Gesellschaftern fand im Haus von Josef Etrich in Trautenau statt, wo sie mit ihren Familien auf die telegrafische Nachricht aus Prag über die Verlosung warteten. Das Ergebnis war bereits am Nachmittag bekannt. Im Telegramm stand, dass die erste gezogene Zahl die „22“ – gerade, war. Franz Kluge erhielt somit die neue Spinnerei und Josef Etrich die alte Spinnerei. Die Aufteilung war aufgrund der Tatsache, dass wegen einer besseren Übersichtlichkeit zuvor die Buchhaltung, Vorräte und Belege getrennt geführt wurden, relativ einfach.. Beide Gesellschafter mussten ein sehr großes gegenseitig Vertrauen zueinander gehabt habe, denn zu dieser Transaktion, während der ein Besitz mit einem riesigen Wert geteilt wurde, wurde kein Anwalt oder Notar hinzugezogen.
Nach der Auflösung der gemeinsamen Firma der beiden Gesellschafter Kluge – Etrich wurde zwei völlig neue Gesellschaften gegründet:
• Franz Kluge gründete die Firma J. A. Kluge, Ober Altstadt, welche im Jahr 1873 in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt wurde.
• Josef Etrich behielt den ursprünglichen Firmennamen – Josef Etrich und Söhne, Ober Altstadt. Die Geschäftsführung übertrug er nach der Trennung von Franz Kluge jedoch an seine Söhne – Johann und Ignaz.
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