Nach der Trennung beider Spinnereien begann die weitere nun eigenständige, Expansion der Firma J. A. Kluge Ober Altstadt. Um bessere Finanzierungsbedingungen zu erreichen, entschied Franz Kluge im Jahr 1872, sein Unternehmen von einem Einzelunternehmen in eine offene Handelsgesellschaft umzuwandeln. Dennoch blieben 100 % der Anteile in Familienbesitz. Zu den neuen Gesellschaftern wurden nämlich die Söhne von Franz Kluge – Johann Adam, Franz und Josef. Gleichzeitig wurden die Funktionen innerhalb des Unternehmens neu verteilt:
• Der älteste Sohn Johann Adam wurde Direktor der Flachsspinnerei in der Ober Altstadt.
• Franz führte in Herrmanseifen das Geschäft mit Leinenwaren
• Josef arbeitete zunächst mit Franz in Herrmanseifen zusammen, danach leitete er die Bleiche in der Ober Altstadt und nach deren Verkauf leitete er die Bleiche wiederum in Herrmanseifen.
Der Eintrag der neuen Handelsgesellschaft in das Handelsregister des Bezirksgerichts in JICIN erfolgte zum 1. November 1873. Neben der Flachsspinnerei in der Ober Altstadt und der Betriebe in Herrmanseifen gehörte zum Eigentum der Firma noch ein Außenlager mit Stoffen und Garnen. In diesem Betrieb erlernten die Söhne von Franz Kluge ihre Unternehmerfertigkeiten und sie gewannen ihre ersten Erfahrungen im Handel.
Das steigende Interesse an feinen Leinenstoffen hatte eine Erweiterung und Modernisierung der Spinnerei in der Ober Altstadt zur Folge. Insgesamt erhöhte sich damit die Anzahl der eingesetzten Spindel im Vergleich zur Anzahl vor der Trennung der Firma Kluge und Etrich, um 500 Stück – auf insgesamt 10.500.
Nach dieser Erweiterung der Klug´schen Spinnerei in der ersten Hälfte der 70.-er Jahre kam es zur enormen Produktionssteigerung feiner Flachsstoffe. Die Firma nahm in diesem Bereich die europäische Spitzenstellung ein, welche sie bis zum Ende des 1. Weltkriegs behielt. Die einzige vergleichbare Stellung nahm eine französische Firma in Lille ein.
Eine derartige Produktionssteigerung erforderte wiederum eine größere Nachfrage an Rohstoffen, welche die bisherigen Lieferanten nur noch schwerlich befriedigen konnten. Kluge, aber auch sein Mitbewerber Etrich suchten neue potenzielle Rohstofflieferanten, insbesondere von unverarbeitetem Flachs. Als das günstigste Land erwies sich letztendlich Russland. Aufgrund der großen Entfernung war es nicht möglich, den Rohstoff in kleineren Chargen zu bestellen, weil dies die Kosten erheblich erhöhen würde. Die Firma beschloss daher, neue Lagerräume zu errichten. Zu diesem Zweck wurde im Sommer 1876 das Hauptgebäude der Spinnerei umgebaut, in dem auch neue Lagerräume bereitgestellt werden sollten. Die Spinnerei brannte jedoch im Sommer 1876 nieder. Die Räumlichkeiten wurden wiederum aufgrund der steigenden Nachfrage für die Erweiterung und Modernisierung des Maschinenparks genutzt. Eine neue Lagerfläche wurde schließlich erst im Jahr 1883 gebaut.
Die Firma prosperierte so gut, dass bereits in der Mitte der 70. Jahre der Bau einer eigenen, eigenständigen Bleiche erwogen wurde. Im Jahr 1877 erwarb das Unternehmen vom Großbauern Wenzel Illner Grundstücke am Bach TRUTINA , die fast unmittelbar an die Grundstücke der Spinnerei Ober Altstadt angrenzten. Zu diesen Grundstücken gehörten auch die erforderlichen Wassernutzungsrechte. Die Grundstücke wurden für 8.000 Gulden erworben. Nachfolgend wurde die moderne Bleiche errichtet, die von Josef Kluge geleitet wurde.
Im Jahr 1880 bot sich jedoch die Möglichkeit, in Herrmannseifen und JAVORNIK eine Bleiche zu erwerben, die bereits über alle erforderlichen Bleich- und Färberechte verfügte. Aus finanziellen Gründen wurde daher schließlich entschieden, die neu gebaute Bleiche in der Ober Altstadt zu verkaufen. Käufer war schließlich der englische Unternehmer S. W. Duncan. Der Preis betrug 120.000 Gulden. Interessehalber sei erwähnt, dass die Firma nach ca. 60 Jahren versuchte, die Bleiche zurück zu erlangen.
Eine weitere Eigentumserweiterung erfolgte im Jahr 1887, als am 16. Mai des gleichen Jahres die kleine Flachsspinnerei in Dunkelthal niederbrannte. Diese kleine Spinnerei wurde im Jahr 1867 von der Baronin Eder, vormals Gräfin Aichelburg für 150.000 Gulden von den Unternehmern Oberländer und Morawetz erworben. Diesen wiederum gehörte die K.u.k privilegierte Flachsspinnerei in Eipel. Die Firma Kluge erwarb die niedergebrannte Spinnerei für 90.000 Gulden mit allen dazugehörigen Wassernutzungsrechten. Nach ihrem Wiederaufbau diente sie wiederum ihrem ursprünglichen Zweck. Die Anzahl der Spindeln betrug jedoch gegenüber der Spinnerei in der Ober Altstadt ca. nur ein Drittel – die Spinnerei verfügte nur über 3.500 Stück. Im Jahr 1897 wurde diese Spinnerei durch die größte neuzeitliche Überschwemmung im Riesengebirge beschädigt und sie musste renoviert werden. Dabei wurde auch der veraltete Wasser- und Dampfantrieb ersetzt. Dank der steigenden Konjunktur wurde die Kapazität der Spinnerei von 3.500 auf 6.500 Spindeln erhöht. Die Haupttätigkeit dieser Spinnerei bestand im Wesentlichen in der Verarbeitung vom Leinenabfall, der bei der Flachsverarbeitung in der Ober Altstadt anfiel. Daraus wurde bis 1945 Leinengarn hergestellt.
In der Hauptspinnerei in der Ober Altstand wurde bereits im Jahr 1902 eine Einrichtung zum Absaugen des Staubs nach amerikanischem Muster eingeführt. Damit verbesserten sich die Arbeitsbedingungen der Arbeiter beträchtlich. Des weiteren wurde in der Ober Altstadt im Jahr 1904 eine neue Flachsbrecherei errichtet. Zusätzlich war eine Erhöhung der Produktion erforderlich, die mittels neuer Technologien erreicht wurde – Lastenaufzüge, die bereits im Jahr 1904 beschafft wurden. Dadurch wurde eine reibungslose Produktion vom Rohstofflager bis hin zum Garnlager erreicht.
Das Aussehen der Spinnerei in der Ober Altstadt wurde zunehmend von neuen Gesetzen und Vorschriften bestimmt, die immer strenger wurden. Gemäß neuer Bauvorschriften musste der große Kesselraum umgesetzt werden, der sich bislang unterhalb der Darre befand. Eine neue Vorschrift bestimmte, dass das Kesselhaus eigenständig gelegen sein muss. Mit dem Bau des Kesselhauses wurde 1908 begonnen. Gleichzeitig wurden auch die Wasserturbinen erneuert.
Weiter wurde eine neue moderne maschinelle Trockenanlage gebaut, wodurch viel Raum eingespart werden konnte, der nachfolgend für die Zwirnerei und den Bau von Sozialeinrichtungen für die Arbeiterschaft genutzt wurde. Auch dies war für den Beginn des 20. Jahrhunderts ein absoluter Luxus, denn in jener Zeit verfügten nur die reichsten Bevölkerungsschichten über Sozialeinrichtungen in ihren Häusern. Dazu wurden die Fabrikarbeiter ganz entschieden nicht gezählt.
Die Stromversorgung der Produktion in der Spinnerei in Ober Altstadt erfolgte vor der Inbetriebnahme des Kraftwerks in PORICI mittels einer Dampfanlage mit einem Stromgenerator. Damit war das gesamte Gelände bezüglich der Stromerversorgung völlig autark. Vor Beginn der Inbetriebnahme des Kraftwerks, das in den Jahren 1912-1914 von der österreichischen Firma AEG gebaut wurde, konnte die Klug´sche Spinnerei einen Großteil der Gemeinde Ober Altstadt mit Strom versorgen. Damit war diese Gemeinde eine der ersten, in der Strom genutzt wurde. Nach der Inbetriebnahme des Kraftwerks erfolgte der Anschluss an das Stromnetz.
Nach dem Hochwasser im Jahr 1907 wurden der Wasserantrieb und das Stauwehr erneuert. Nach der Durchführung dieser Maßnahmen war es möglich, in der Spinnerei in der Ober Altstadt die Gasbeleuchtung abzuschalten. Diese war ziemlich feuergefährlich und wurde durch eine elektrische Beleuchtung ersetzt.
In der Ober Altstadt wurde noch vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges entschieden, dass die Spinnerei um den Betrieb einer Zwirnerei zur Herstellung von Leinenzwirnen erweitert werden sollte. Diese Erweiterung wurde besonders von Franz Kluge vorangetrieben, der einen solchen gemeinsamen Betrieb während seines Aufenthalts in England gesehen hatte. Zu Beginn hatte die Firma große Probleme bei der Markteinführung. Später jedoch erwies sich auch diese Investition aufgrund der steigenden Produktion von Jutesäcken und dem Übergang vom händischen zum maschinellen Nähen von Schuhen als eine gute Wahl. Dank der Zwirnerei erhielt die Firma große Militäraufträge im Verlauf des Ersten Weltkrieges.
Aufgrund der guten Absatzlage an die Hersteller von Spitzen und Posamenten im Erz- und Adlergebirge wurde beschlossen, die Kapazität der Bleiche in Herrmannseifen zu erhöhen und damit die ständig wachsende Nachfrage nach weiß gebleichten Garnen zu befriedigen. Deshalb wurde neue Gebäude der Bleiche gebaut und zwischen den Jahren 1913-1914 zusätzlich eine neue Wasserleitung und ein Reinigungsbehälter für Bleichzwecke.
Im Jahr 1888 starb der Gründer der Spinnerei in der Ober Altstadt Franz Kluge. Nach diesem Ereignis wurden Veränderungen in der Firmenleitung vorgenommen. Insbesondere wurde der vierte Sohn von Franz Kluge, der promovierte Jurist Alois Kluge, der in Trautenau als Anwalt wirkte, als weiterer Gesellschafter in die Firma aufgenommen. Die vier Teilhaber unterteilten ihre Aufgaben wie folgt:
• Johann Kluge leitete weiter die Spinnerei in der Ober Altstadt
• Franz Kluge und Josef Kluge leiteten gemeinsam die Weberei, die Bleiche, das Gut und die Brauerei in Herrmannseifen
• JUDr. Alois Kluge wurde zum Justiziar des Unternehmens, mit Sitz in Trautenau
Um eventuellen Streitigkeiten, was die Nachfolger anbetrifft zu verhindern, wurde gleichzeitig geregelt, dass jeder der Teilhaber zwei Söhne in die Firmenleitung einbinden darf. Diese Vereinbarung wurde nur teilweise erfüllt. Der Grund dafür lag insbesondere darin, dass nur Johann und Josef Kluge mehr als zwei Söhne hatten. Franz Kluge hatte nach dem Tod seines Sohnes nur Töchter und Alois Kluges Sohn kam erst im Jahr 1891 zur Welt.
Johann Kluge bestimmte seine drei Söhne als seine Nachfolger, aber nach dem Tod eines davon blieben nur zwei übrig – Franz und Johann.
Josef Kluge bestimmte seine Söhne Ignaz und Alfred als seine Nachfolger. Alfred nahm jedoch die Firmenleitung nicht an, denn er widmete sich der Leitung des Eisenhütten- und Maschinenbauwerks in HOSTINNE. Ein weiterer Sohn von Josef Kluge ging nach Amerika, um dort den Vertrieb der Familienerzeugnisse voranzutreiben, aber auch er wurde später nicht in der Firma aktiv.
TDiese neue Generation der Familie Kluge verfügte bereits über eine entsprechend hohe Ausbildung. Bemerkenswert ist auch, wie die Söhne für Schulen mit verschiedenen Ausrichtungen ausgewählt wurden, je nach dem welche Aufgaben sie nach ihren Vätern übernehmen sollten. Der erstgeborene Sohn von Johann Kluge, Franz, besuchte die Realschule, danach studierte er an der Technischen Hochschule in Prag und er beendete erfolgreich sein Ingenieursstudium. Aufgrund der technischen Ausbildung wurde er an die technische Leitung des Unternehmens herangeführt.
Der zweite Sohn von Johann Kluge, Johann wurde vom Vater zur betriebswirtschaftlichen Leitung der Firma vorbestimmt. Dem entsprach auch dessen Ausbildung. Diese erlangte Johann an der Handelsakademie in Wien.
Beide Brüder wurden nach der Beendigung ihrer Studien nach Belfast zu Praktika entsandt. Dieser Ort wurde mit Bedacht ausgewählt, den Irland war zu dieser Zeit das Zentrum der Leinenindustrie in Europa. Weiter sollten sie ihre Englischkenntnisse verbessern und sich mit der Art und Weise der Leitung der dortigen Textilunternehmen vertraut machen.
Josef Kluge schickte seinen Sohn Ignaz zum Studium an der Staatlichen Gewerbeschule in Reichenberg, die auf die Textilindustrie ausgerichtet war. Später leitete er die Weberei der Firma in Herrmannseifen. Eine ähnliche betriebswirtschaftliche Ausbildung erhielt auch sein Sohn Josef.
Fritz Kluge, der jüngste dieser Generation der Familie Kluge, wurde nach dem Studium in die USA entsandt, wo er fast ein Jahr verbrachte. Seine Aufgabe bestand darin, Erkenntnisse über die riesigen amerikanischen Märkte zu gewinnen, denn das Unternehmen wollte in die USA expandieren. Weiter sollte er zukünftig die Handels- und Finanzabteilung der Firma leiten. Der Vollständigkeit halber soll erwähnt werden, dass Fritz Kluge Sohn des Juristen Dr. Kluge war.
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