Die Arbeit der gewöhnlichen Arbeiter in der Klug´schen Spinnerei war körperlich ebenso anstrengend, wie in allen anderen Flachsspinnereien in der Region Trautenau zu jener Zeit auch. Trotzdem konnte Kluge aufgrund seiner Sozialpolitik gewisse Sympathien bei der Arbeiterschaft gewinnen. Dies zahlte sich insbesondere während der Massenstreiks der Arbeiter im Jahr 1897 aus, als in allen anderen Flachsspinnereien in der gesamten Region Trautenau (den Spinnereien Faltis, Haas, Etrich... gestreikt wurde). Diese Streiks mussten den Firmenbesitzern riesige Verluste und Probleme bei der Erfüllung der Aufträge bringen. Kluge entschied sich, seine gute, sozial ausgerichtete Personalarbeit zu nutzen, bei welcher der Firmeninhaber vorausschauend mit bestimmten höheren Personalausgaben zu rechnen hatte. Es ist offensichtlich, dass sich diese Maßnahmen auszahlten und die Einnahmen diese Sonderausgaben um ein Mehrfaches überstiegen.
Sicher versuchte Kluge aufgrund dieser Sozialpolitik einen Wettbewerbsvorteil auf dem regionalen Arbeitsmarkt zu erlangen. Die Bevölkerung der Ober Altstadt hatte zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten. Allein in der Ober Altstadt waren zwei große Flachsspinnereien sowie eine große Bleiche in Betrieb. Nicht zu vergessen sind auch die Wettbewerber in der Unteraltstadt, Trautenau, Trübenwasser oder Jungbuch, die nur wenige Kilometer entfernt lagen. Somit wäre es für die Bevölkerung kein Problem, zu einer besseren Arbeit zu laufen oder mit dem Zug zu fahren. Ganz sicher ist, dass das die Arbeitsangebote die Nachfrage überstiegen.
Zu den ersten Sozialmaßnahmen in der eigenständigen Flachsspinnerei Kluge gehörten insbesondere:
• Einführung einer Sozialversicherung für die Arbeiter und zwar vom Anbeginn der Produktion in der Klug´schen Flachsspinnerei
• Kostenlose ärztliche Behandlung bei dem Werksarzt
• Kostenlose Medikamente für kranke Firmenangehörige
• Krankengeld in Höhe von 30 Kreuzern pro Tag; dies war die höchste Unterstützung in der Flachsverarbeitung in der gesamten Region Trautenau
Laut der Chronik der Ober Altstadt hatte die gesamte Gemeinde zu jener Zeit, als die erste, die spätere „Etrich´sche“ Flachsspinnerei in Betrieb genommen wurde 110 Häuser und 800 Einwohner. Infolge der stetigen Erhöhung der Produktion in den Flachsspinnereien und der Errichtung weiterer Produktionsstätten war es erforderlich, die Wohnungskrise der Arbeiterschaft zu beseitigen. Diese wohnte teilweise unter erbärmlichen Bedingungen. Die Wohnungskrise erreichte insbesondere nach dem großen Hochwasser im Jahr 1882 ihren Höhepunkt, als gleich mehrere Häuser und Brücken zerstört wurden.
Die Firma Kluge errichtete daher ab dem Jahr 1884 bis zum Beginn des 1. Weltkrieges allein in der Ober Altstadt 3 Häuser für die Angestellten, 37 Einfamilienhäuser und 8 einstöckige Arbeiterhäuser. In jedem wohnten 6 bis 8 Familien. Einer Familie standen ein bis zwei Zimmer zur Verfügung. Wenn man sich vorstellt, dass damals eine Arbeiterfamilie für gewöhnlich 6 oder mehr Kinder hatte, war auch diese Unterkunft nicht gerade ideal. Die Häuser wurden ohne Sanitäreinrichtungen gebaut, was zu dieser Zeit absolut normal war. Die Toiletten standen im Hof, wo sich auch die Schuppen befanden. Diese dienten als Lager für Brennmaterial zum Heizen bei kalter Witterung.
Die Firma Kluge baute jedoch auch Häuser in der Nähe der weiteren Fabriken. Zu beginn des 20. Jahrhunderts baute sie drei große Arbeiterhäuser für ihre Beschäftigten in Dunkelthal.
Der Bau der Familienhäuser für die Arbeiter hatte für den Unternehmer einen weiteren großen Vorteil. Solange die Arbeiterschaft in ihren eigenen Häusern wohnte, standen den Arbeitern auch kleine Felder oder Beete zu Eigenversorgung zur Verfügung. Sie waren damit am Unternehmer und der Arbeit in der Fabrik weniger abhängig. Den Arbeitern in den Werkswohnungen jedoch war bewusst, dass sie, sofern sie sich aktiv am Streik oder anderen gegen den Fabrikanten gerichteten Aktionen beteiligen, nicht nur die Arbeit, sondern auch das Dach über dem Kopf verlieren könnten. Die Fabrikbesitzer nutzten diese Strategie oft und gerne.
Die Strategie des Baues von Werkswohnungen für die Arbeiterschaft war für den Unternehmer jedenfalls sehr vorteilhaft. Er musste zwar beim Bau der Häuser mit bestimmten Kosten rechnen, andererseits hatte er am Arbeitsmarkt einen Wettbewerbsvorteil. Denn nicht jede Fabrik bot in diesem Maße eine solche Unterkunft für die gesamte Familie zum günstigen Preis, wie die Fabrik der Familie Kluge.
Ein weiterer Vorteil für die Arbeiterschaft der Klug´schen Spinnerei war z. B. die Errichtung eines eigenen Konsums (Kaufladens), der bis zur erzwungenen Schließung im Jahr 1939 in Betrieb war. Nach der Beendigung des Baues von Werkswohnungen für die Arbeiterschaft in Dunkelthal wurde eine Zweigstelle des Konsums auch hier errichtet. Diese traf im Jahr das gleiche Schicksal wie in der Ober Altstadt. Für ihre Arbeiterinnen veranstaltete die Firma kostenlose Kurse für Hauswirtschaft und Kochen.
Die Arbeitszeit war bis zum 1. Weltkrieg wesentlich länger als heute. In den Spinnereien im Tal der Oppa wurden wöchentlich 65 Stunden gearbeitet. Die Arbeitswoche war zumeist sechs Tage lang, d. h. die Arbeitszeit betrug ca 11 Stunden Pro Tag. Die Arbeiter bekamen nur Sonntag frei, an dem sie in die Kirche gingen. Auch hier beschloss die Klug´sche Firma den Arbeitern entgegenzukommen und sie verkürzte die Wochenarbeitszeit auf 61, 5 Stunden. Die Arbeiter hatten damit nicht nur am Sonntag frei, sondern auch den Samstag Nachmittag.
Einen Teil jener Gewinne, welche die Firma Kluge insbesondere im Zeitraum der Hochkonjunktur in den Jahren 1907 – 1908 erzielte, verwendete sie für den Bau eines Kinderheimes, welches als Kinderkrippe und – garten ausgelegt war. Das Kinderheim wurde bereits 1909 eröffnet. Das neue geräumige Gebäude des Kinderheimes wurde direkt gegenüber der Flachsspinnerei errichtet. Erstens deswegen, weil hier die Firma Kluge die erforderlichen Grundstücke besaß und zweitens, damit die Arbeiterinnen ihre Kinder auf dem Weg zur Arbeit in den Kindergarten bringen konnten.
Das Kinderheim betreute ausschließlich Kinder von Arbeiterinnen, welche in der Spinnerei der Firma Kluge arbeiteten und zwar im Alter von bereits 6 Wochen bis zu 6 Jahren. Die Kinder wurden ganztags betreut. Es handelte sich für jene Zeit um eine der modernsten Einrichtungen dieser Art, worüber auch die Chronik der Ober Altstadt ausführlich berichtet. Das Kinderheim konnte bis zu einhundert Kinder betreuen.
Es wurde aber auch an Mütter gedacht, die aufgrund der Mutterschaft zeitweise in der Firmenspinnerei nicht arbeiten konnten, gedacht. Diesen Arbeiterinnen wurde eine kleine Unterstützung ausgezahlt und darüber hinaus erhielten sie einen halben Liter Milch dazu.
Die beiden oben genannten Maßnahmen trugen dazu bei, dass die Arbeiterinnen früher wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren konnten. Insbesondere währen der Hochkonjunktur war der Hunger nach Arbeitskräften hoch. Diese Arbeitskräfte kamen auch aus entfernteren Gegenden Böhmens hierher, insbesondere aus den armen landwirtschaftlichen Gebieten, z. B. aus dem Adlergebirge. Die meisten Neuankömmlinge aus jenen Regionen, in denen tschechisch gesprochen wurde, sprachen wenigsten etwas deutsch, sodass sie sich rasch anpassen konnten.
Die Einarbeitung der neuen Arbeitskräfte erforderte jedoch viel Zeit und Geld, sodass es für den Fabrikbesitzer viel billiger und effektiver war, die bestehenden Arbeitskräfte zu halten. Dies betraf insbesondere die Spinnerinnen und weitere Berufe, was der Firma Kluge aufgrund ihrer effektiven Personalpolitik im Vergleich zu den anderen Wettbewerbern in der Region am besten gelang.
Zu Weihnachten veranstaltete die Firma Kluge für ihre Mitarbeiter Weihnachtsfeiern. Ähnliche Feiern wurden von der Familie Kluge auch für Schulkinder veranstaltet. Bei diesen Weihnachtsferien wurden die Kinder der Mitarbeiter mit Kleidung und Schuhen beschenkt. Interessanterweise sei hier noch erwähnt, dass diese Praxis bis in die Zeit nach dem Ende des 2. Weltkrieges weitergeführt wurde, als Kluge hier als Fachmann arbeitete.
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