Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges entstanden allen Unternehmern im Tal der Oppa völlig neue Probleme, mit denen sie zuvor nicht zu kämpfen hatten. Die größten Veränderungen vollzogen sich im Bereich des Vertriebes und der abzuwickelnden Aufträge. Bis zu Ausbruch des Krieges kamen diese fast gänzlich von Privatunternehmen, insbesondere von Händlern, welche dann mit den Waren auf europäischen und überseeischen Märkten handelten. Mit Kriegsbeginn änderte sich das vollkommen, denn auf einmal wurde zum größten Abnehmer der Staat, insbesondere das Militär, welche für die mobilisierten Heere die verschiedensten Ausrüstungen an den Fronten benötigte. Ein großer Vorteil und auch die Sicherheit für das Überleben hatten jene Unternehmen, die als „kriegswichtig“ eingestuft wurden. Einerseits hatten sie ein gewisses Maß an Absatzsicherheit, was die Bestellungen des Militärs anbetraf. Weiterhin hatten diese Unternehmen ein Vorzugsrecht bei der Beschaffung von Rohstoffen. Dies war während des Krieges, als allgemein Rohstoffknappheit herrschte, äußerst wichtig.
Eine weitere Folge des Krieges war die Einführung einer Verordnung, die Zwangsbewirtschaftung mit Leinengarn betreffend. Diese neue Organisation trug die Bezeichnung „Verkaufskontor der vereinigten Flachsspinnereien“ und zu ihrem Direktor wurde der Direktor der Trautenauer Firma „Johann Faltis Erben“ – Alexander Vidéky. Franz Kluge war insbesondere aufgrund seines hohen Einflusses zu einem der Vertreter ernannt. Es zeigte sich sehr bald, dass diese Neuorganisation den Unternehmen mehr Vor- als Nachteile brachte und sie wollten daher diese Organisation auch nach dem Kriegsende beibehalten.
Die Firma der Familie Kluge hatte zunächst einen großen Vorteil der darauf beruhte, dass sie eine hohe Lagerkapazität besaß. Die Rohstoffvorräte waren sogar so hoch, dass die Firma die ersten zwei Kriegsjahre aus den eigenen Vorräten schöpfen konnte. Die ersten zwei Jahre war es noch möglich, kleinere Mengen Rohflachs zu beschaffen. Ohne jedoch über ausreichende Vorräte hätten diese Mengen keinesfalls ausgereicht, um den gleichen Produktionsumfang, wie vor dem Krieg, aufrechtzuerhalten.
Die Spinnerei in der Oberaltstadt hatte auch das weitere Glück, dass ihr eine ausreichen Anzahl von Aufträgen garantierte, denn sie wurde als „kriegswichtiges Unternehmen“ eingestuft. Sie stellte nämlich Leinengarn zur Herstellung von Leinenbezugsstoffen. Diese wurden als Schutzbezüge der Flugzeuge bei deren Herstellung verwendet. Aus diesem Grund hatte die Spinnerei in Ober Altstadt gegenüber den anderen Spinnereien im Tal der Oppa den großen Vorteil, das sie bevorzugt mit Rohflachs beliefert wurde. Dieser wurde aus dem besetzten Belgien importiert, dessen Besetzung durch die deutsche Armee, trotz dessen Neutralität, bereits am 4 . August 1914 begann. Das Militär wurde zuletzt auch der Hauptabnehmer auch für die Spinnerei in Herrmannseifen.
Franz Kluge wollte sich jedoch nicht nur auf den Vorteil einer bevorzugten Lieferung von Rohstoffen verlassen. Mit unternehmerischem Ehrgeiz entschied er sich andere Wege für die Beschaffung von Rohflach zu finden. Im Jahr 1915 versuchte er, für seine und weitere Firmen in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, die fehlenden Rohstoffe in Russland zu beschaffen, von wo er vor dem Krieg üblicherweise den Rohflachs bezog. Dies war jedoch schwierig, denn Russland gehörte zu den Feindstaaten, gegen die Krieg geführt wurde. Die Lösung brachte der Einkauf über einen Vermittler, in diesem Fall das Königreich Schweden, das ein neutraler Staat war. Franz Kluge musste einige Mal nach Schweden reisen, um die geschäftliche Transaktion mit den schwedischen Händlern, welche Rohflachs aus Russland importierten, auszuhandeln. Mit der Unterstützung der Unternehmer konnte Franz Kluge kaum rechnen, denn deren Mehrzahl glaubte nicht daran, dass eine solche Möglichkeit überhaupt realistisch sei. Dennoch gelang es Franz Kluge, 10.000 Tonnen Rohflachs zu beschaffen. Insbesondere aufgrund dieser Tatsache konnte seine Firma weiter produzieren, und zwar bis in jene Zeit, als die österreichisch-ungarische Armee bei ihrem Ostfeldzug Ostpolen und Litauen besetzte. Nachfolgend wurde von hier aus der erforderliche Rohlachs eingeführt.
Ebenso wie die anderen Unternehmer auch, hatte die Familie Kluge ein großes Problem mit dem Abzug der qualifizierten Männer an die Front. Trotz des Verlustes der qualifizierten Mitarbeiter konnte bis in das Jahr 1915, d. h. über ein ganzes Kriegsjahr, die Produktionshöhe gehalten werden. Den Einberufungen entging auch nicht die einflussreiche Familie Kluge. Einige Familienmitglieder wurden zum Militärdienst einberufen. Franz Kluge selbst wurde als Spezialist der 13. Abteilung des Kriegsministeriums in Wien untergeordnet und blieb deshalb auf seinem Platz in der Leitung der Flachsspinnerei über die gesamte Dauer des Krieges. Die Arbeit der Männer übernahmen nach und nach Frauen.
Mit dem immer länger währenden Krieg tauchten weitere, immer größer werdende Probleme auf, die von der Firma mehr oder weniger erfolgreich gelöst werden konnten. Der Strommangel in der Feinspinnerei wurde z. B. so behoben, dass der Strombezug aus dem Kraftwerk durch in Wasserturbinen erzeugten eigenen Strom ersetzt wurde. Somit konnte in dieser Abteilung in zwei Schichten gearbeitet werden.
Ein ähnliches Szenario bezogen auf den Strommangel aufgrund des Kohlemangels spielte sich auch in der Spinnerei in Herrmannseifen ab. Auch hier zeigte sich die Nutzung von Wasserturbinen als die beste Alternative. Am Zusammenfluss zweier kleinerer Bäche unweit der Bleiche wurde für viel Geld ein Wasserkraftwerk gebaut. Dieses war jedoch aufgrund der schwankenden Wasserstände nicht rentabel. Die ehemalige Dampfanlage war nach dem Anschluss an das Stromnetz der Firma AEG komplett aufgelöst. Der Kohlemangel beruhte insbesondere darauf, dass die Kriegsindustrie, insbesondere die Waffenindustrie bei der Belieferung von Kohle absoluten Vorrang hatten.
Der Krieg machte sich auch im alltäglichen Betrieb des Klug´schen Kinderheimes für die Kinder der Mitarbeiter bemerkbar. Es wurde teilweise zu einem Lazarett für verwundete Soldaten umgebaut. Der Trautenauer Arzt Dr. Baudisch versorgte hier 20 verwundete Soldaten. Die Firma beteiligte sich auch finanziell am Krieg, in dem sie reichlich Kriegsanleihen zeichnete.
Zum Kriegsende – im Jahr 1918 wurde der Kohlemangel deutlich spürbar. In dessen Folge schlossen sich in der Region Trautenau mehrere Firmen, insbesondere Flachs verarbeitende, zu einem Konsortium zusammen. Dieses erwarb vom Baumeister Palme Kohlebergwerk „Katharina“ in Radowenz. Damit verfolgen die Unternehmer sicher zwei Hauptziele:
• die notwendige Kohleversorgung ihrer Betriebe sicherzustellen
• die Kriegsgewinne vorteilhaft zu investieren
Letztendlich erwies sich, dass die Erwartungen auf die Investitionsgewinne nicht erfüllt werden konnten und dass das Bergwerk trotz hoher Investitionen unrentabel blieb. Im Jahr 1942 wurde es für ca. 310.000 Reichsmark an die Westböhmische Bergwerksaktiengesellschaft in Zbůch bei Pilsen verkauft.
Die unabhängige Tschechoslowakische Republik wurde am 28. Oktober 1918 feierlich ausgerufen. Dieses Ereignis rief nicht unbedingt nur positive Gefühle hervor. Insbesondere in den Grenzgebieten, die vorwiegend von Deutschen besiedelt war, wurde die Staatsgründung ziemlich ablehnend aufgenommen. Die anfänglichen Bemühungen über eine Unabhängigkeit der Grenzgebiete, bzw. einem Anschluss an Deutschland, wurden durch die rasche Besetzung dieser Grenzgebiete durch die in Gründung befindliche Tschechoslowakische Armee nachhaltig unterbunden.
Die Gründung des neuen Staates trugen auch die Unternehmer im Oppatal sehr schwer. Dafür gab es mehrere Gründe. Abgesehen von der Nationalität muss man berücksichtigen, dass sich nahezu alle Absatzmärkte der Firmen im Gebiet der Österreichisch-Ungarischen Monarchie befanden. Auf einen Schlag waren jedoch diese traditionellen Absatzbeziehungen durch die neu geschaffene tschechoslowakische Grenze unterbrochen. Deswegen verringerten sich aufgrund verschiedenster Marktregulierungen, insbesondere der Zölle, die Exportmöglichkeiten.
Ein weiteres Problem für die Exporteure war der Verlust der traditionellen Märkte in Belgien und Irland. Diese konnten im Verlauf von vier Jahren, in denen der Krieg dauerte, im erheblichen Maß die dort ansässigen Textilunternehmer für sich gewinnen. Die Familie Kluge und zahlreiche Andere waren daher gezwungen, neue Absatzmöglichkeiten für ihre Erzeugnisse zu finden.
Eine großer Schlag für die Familie Kluge war auch die Tatsache, dass sie in der Kriegszeit großzügig ihre freien Finanzmittel in Kriegsanleihen Österreich-Ungarns investierte. Nach dem Zerfall der Monarchie war das Geld weg, denn es gab niemanden, von dem man das Geld hätte eintreiben können.
Die Währungspolitik der jungen Tschechoslowakei, für die das Finanzministerium unter der Führung von Alois Rašín verantwortlich zeichnete, hatte insbesondere die folgenden Ziele: Den Geldumlauf zu verselbstständigen, das Inflationsgeld, welches im 1. Weltkrieg eingeführt wurde, zu beseitigen und eine neue tschechoslowakische Währung zu schaffen. Die Währungsreform erfolgte vom Februar bis März 1919.
Dies hatte für die Unternehmer im Tal der Oppa weitere unangenehme Folgen. Die Familie Kluge traf die Währungsreform durchaus schwer. Sie hatte traditionell hohe Vorräte an Garnen und Leinenwaren, deren Wert sich aufgrund des erzwungenen Übergangs auf die tschechische Krone halbierte. Dies hatte zur Folge, dass sich die Firma bei den Banken hoch verschuldete, was das erste mal seit der Gründung des Unternehmens geschah. Von diesen Schulden konnte sie sich nur langsam und allmählich befreien.
In den Zeitraum der Entstehung der Republik fallen auch zwei Todesfälle, nach denen die Übergabe der Firmenleitung an die weitere jüngere Generation der Familie Kluge abgeschlossen wurde. Im Jahr 1920 starb Franz Kluge der Ältere und im Jahr 1922 starb das an der Spitze der Familie stehende Mitglied der sog. dritten Generation – Johann Adam Kluge. Nach dem Tod der beiden Herren wurden weitere Familienmitglieder als Gesellschafter aufgenommen – Johann Kluge der Jüngere und Fritz Kluge. Für die junge neue Unternehmensführung war an eine weitere große Expansion nicht zu denken. Erstmal war es das Ziel, die Produktion mindestens wieder auf den Stand wie vor dem 1. Weltkrieg zu bringen.
Eine weitere Expansion der Firma erfolgte erst ab dem Jahr 1927, als sie als Gesellschafter in die Firma Roha in Hohenelbe eintrat. Diese war auf das Bedrucken von Leinen- und Baumwollstoffen spezialisiert. Die Höhe des Geschäftsanteils betrug 40.000 Tschechoslowakischer Kronen und damit wurde die Firma Kluge zum Hauptanteilseigner der Firma. Die Firma Roha konnte für diesen relativ geringen Betrag übernommen werden, da zum Kaufpreis gleichzeitig ein beträchtlicher Schuldenberg von 400.000 Tschechoslowakischen Kronen zu übernehmen war. Die Finanzierung der Produktion wurde nachfolgend mit der Zentralbank in Prag in Form eines Kredits vereinbart.
Eine Perspektive für eine weitere Expansion bot sich in der Herstellung von Leinengarnen, die reißenden Absatz fanden. Sollte die Firma jedoch in diesem Geschäftsfeld erfolgreich sein, hatte sie keine andere Möglichkeit, als auf die Märkte in Deutschland durchzudringen. Aufgrund der hohen Zölle war es jedoch völlig ausgeschlossen, dass die Firma die Garne in einer ihrer Fabriken in der Tschechoslowakei herstellen und weiter über die Grenzen transportieren könnte. Deshalb wurde ein anderes Vorgehen gewählt, nach dem im deutschen Gross Schwednitz während der Wirtschaftskrise eine der größten deutschen Fabriken für die Produktion von Leinengarnen in den Konkurs ging. Diese Firma gehörte der Familie Duncan, welche auch im Tal der Oppa unternehmerisch tätig war. Die Aktien dieses Unternehmens erwarb zunächst das Konkurrenzunternehmen Gruschwitz aus Neusalz an der Oder, aber nach und nach wurde sie der Firma J. A. Kluge zum Kauf angeboten. Bestandteil des Angebots war auch die Sicherstellung des Vertriebes der Erzeugnisse in Deutschland. Bedingung für dieses Geschäft war, dass die Firma Kluge die Bereitstellung des erforderlichen Maschinenparks, Kapitals und Rohgarns aus den eigenen Spinnereien, an dem in Deutschland großer Mangel herrschte, gewährleistet. Die erforderlichen Lagerräume bot die Firma Lipfert an.
Eine weitere Expansion des Unternehmens verhinderte die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik, die im erheblichen Maße den Rohstoffimport aus der Tschechoslowakei behinderte, was praktisch den gesamten Export lähmte. Dies führte zu großen Problemen bei der Belieferung des Tochterunternehmens Lipfert. Letztendlich erwies sich als die beste wirtschaftliche Lösung der Ankauf moderner Spinnereimaschinen in England und direkt an der Garnherstellung in Dresden wurde eine kleinere Flachsspinnerei gebaut. Die Spinnerei hatte im Unterschied zu jener in Ober Altstadt mit einem großen Arbeitskräftemangel zu kämpfen. Deshalb wurde sie im Jahr 1938 geschlossen und der Maschinenpark wurde in die eigene Spinnerei nach Dunkelthal überführt. Damit erhöhte sich die Anzahl der Spindeln auf 6.500 Stück.
Im Jahr 1929 wurde ganz besonders deutlich, dass, sofern die Firma Kluge mit der Konkurrenz Schritt halten möchte, sie im steigenden Maß in neue Technologien investieren muss. Der Anlass für eine umfassende Modernisierung der Spinnerei war die Havarie der alten Dampfmaschine aus dem Jahr 1895, in deren Instandhaltung lange Jahre nicht investiert wurde. Zunächst wurde die alte Dampfmaschine durch eine neue ersetzt, welche die Firma von einer geschlossenen Textilfabrik in der Region Reichenberg beschaffen konnte. Nach drei Jahren erfolgten weitere große Umbauten, wobei ein neues Kesselhaus, ein neuer Maschinenraum und der Fabrikschornstein errichtet wurden. Weiterhin wurde erheblich in den Maschinenpark der Spinnerei und Weberei investiert. Nach dem Abschluss der Modernisierungsmaßnahmen wurde der Umbau der Spinnerei in Herrmannseifen in Angriff genommen. In dieser Spinnerei wurden während des 1. Weltkrieges die Aufträge für das Militär abgearbeitet. Nach dem Kriegsende musste die Firma neue Absatzmärkte finden. Diese fand sie letztendlich in Nordamerika, später auch in Südamerika, mit Brasilien als größten Absatzmarkt.
Die Firma konnte weiter erfolgreich an den Export ihrer Erzeugnisse in das ehemalige Jugoslawien und Ungarn anknüpfen, sodass man sagen kann, dass es dem Unternehmen während der Ersten Republik bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise recht gut ging.
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